Sir Robert Stephenson Smyth Baden-Powell Lord of Gilwell
Die Lebensgeschichte eines großen Mannes
Wer war der Mensch der die größte Jugendorganisation der Welt gegründet hatte?
Und wie kam es zu dieser damals neuartigen ,,Erfindung der Pfadfinderei"?
| Lord Baden-Powell war kein guter Schüler und die Oberschule schaffte er nur so mit Ach und Krach. Die Aufnahmeprüfung für ein Studium an der berühmten Universität bestand er nicht. Das mag für euch zwar seltsam klingen, doch er wurde nicht für seine Schulfähigkeiten berühmt, sondern vor allem für seine Naturbeobachtungsgabe und seine Erziehungsmethoden. Er wurde so bekannt, dass er später sogar Ehrendoktor ebendieser Universität wurde. Robert Stephenson Smyth Baden-Powell Lord of Gilwell, so heißt Bipi zu vollem Namen, ist Gründer einer Jugendorganisation, der 18 Millionen Buben und 8 Millionen Mädchen in mehr als 120 Ländern der Welt angehören.
Seit der Gründung unserer Pfadfinder gab und gibt es 250 Millionen Pfadfinder, unter anderem berühmte Leute wie John F. Kennedy, König Carl Gustav XVI. von Schweden oder Neil Armstrong.(Das war derjenige, der zuerst auf dem Mond war und dabei ein Pfadfinderabzeichen mittrug.)
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Das ist nun seine Lebensgeschichte:
Bipi wurde am 22. Februar 1857 als 4. Kind einer reichen kaufmännischen Familie in England geboren. Es zeigte sich schon bald, dass er Abenteuer liebte und viel Interesse an seiner Umwelt zeigte. Im Ryde Park, der größten Parkanlage in London, begann er Tiere zu beobachten und auch abzuzeichnen.
Später begann er mutig die wilde Gegend der Slums von London zu erforschen und erfuhr, dass es viele arme Leute gab, die 14 bis 16 Stunden am Tag arbeiteten. Ja sogar Kinder mussten arbeiten um ein bisschen Brot zu verdienen! Stephen fand es ungerecht, dass er als wohlbehütetes Kind es so gut hatte, und andere Kinder in Lumpen gehüllt mit Taschendiebstählen ihr Leben verdienen mussten. Mit acht Jahren formulierte er: „Ich werde dafür sorgen, dass die Armen genauso reich werden wie wir." Mit 13 Jahren sollte Stephen in die angesehene Charterhouse-Schule eintreten. Er hatte durch die Beziehungen seiner Mutter zur Schule schon seinen Studienplatz, als er plötzlich verkündete: „Ich will nichts mit Beziehungen erreichen, ich will einen Studienplatz durch eigene Leistungen bekommen."
Er bewarb sich für eine andere angesehene Schule, schaffte die Aufnahmeprüfung -und ging dann doch an die Charterhouseschule. Seine Begründung: Er habe bewiesen, dass er in einer angesehenen Schule einen Studienplatz zu erkämpfen imstande war, und nun könne er sich auch seinen Wunsch erfüllen. Solche Charakterstärke sollte Bipi ein Leben lang begleiten. Im College war er nur ein mittelmäßiger Schüler, doch hatte der schuleigenen Park viele Geheimnisse, die es zu entdecken gab. Bipi beschlich die Lehrer in ihren Mittagspausen und führte bald eine Bande von „Waldläufern". Mit 19 Jahren schaffte Bipi die Abschlussprüfung einigermaßen und bewarb sich für die Offiziersschule. Denn als Offizier der Armee konnte er in ferne Länder reisen, was etwas war, das ihn sehr interessierte (Geographie war auch das einzige Fach wo er mit Bestnote abschloss). Bipi wurde von 710 Bewerbern der zweitbeste und konnte somit sofort nach Indien reisen. So fuhr der erst 19-jährige Stephen nach Bombay, wo er mit seiner Truppe stationiert war. Indien war damals ein Mischung aus vielen Völkern, Religionen und Bräuchen. Bipi bemühte sich um guten Kontakt mit den Einheimischen und versuchte auch Hindu zu lernen. Doch er merkte, dass er als Weißer immer wieder auf Widerstand stieß.
Konnten sich erwachsene Engländer und Inder überhaupt miteinander verständigen?
Dann hatte Bipi eine Idee: Er ermunterte die Söhne und Töchter der Offiziere und die einheimischen Kinder zu gemeinsamen Spielen und Aktivitäten. Er organisierte in seiner Freizeit Theater, Feste und Tanzabende. Und plötzlich merkte er, dass sich die Jugendlichen besser verstanden als die Erwachsenen. Die Unterschiede in Religion und Tradition waren plötzlich verschwunden. Diese Erkenntnis war ganz wichtig für das Entstehen der großen Jugendorganisation Pfadfinder. Da Bipi schon als Ausbilder nach Indien kam hatte er die Aufgabe, die jungen Soldaten auszubilden. Er gab den Unterricht am Anfang für alle gleichzeitig. Doch bald merkte er, dass das nicht funktionierte. Die Soldaten waren einen Masse von anonymen Befehlsempfänger und es war nicht möglich, den Leuten wirklich etwas beizubringen. Also löste er die Kompanie in 5 Gruppen auf und bestimmte jeweils einen Patrouillenleiter. Diesen Gab er Unterricht und diese waren dann ihrerseits verantwortlich, dass die anderen Soldaten ihre Dinge lernten. Bei Manövern erwies es sich, dass sich das Kleingruppensystem bestens bewährt. Dies ist übrigens ein Hauptgedanke in unserer Jugendbewegung: das System der Kleingruppen. Doch darf ein militärisches System auch einfach so von einer zivilen Jugendbewegung übernommen werden. Bipi zeichnete dazu das folgende Bild, das sehr schön zeigt, dass die Pfadfinder auch wirklich nichts mit dem Militär zu tun hat:
Mit der Pfadfinderei ist keinerlei militärische Auffassung verbunden.
Später bildete er spezielle Kundschafter aus, die sich nur um die Informationsbeschaffung kümmerte. Diese waren in den damaligen Wirren in Indien und Afrika besonders nötig und wichtig. Er nannte sie Scouts, also Pfadfinder. Auch in Afrika kam ihm seine Ausbildung als Scout immer wieder zu Gute:
Oft musste er stundenlang irgendwelche Spuren verfolgen oder in der Natur lesen, was denn geschehen war. Zu einem speziellen Auftrag wurde er anfangs 20. Jahrhundert gerufen:
An der Goldküste in Afrika lebte ein besonders gefürchteter Häuptling und terrorisierte ganze Landstriche. Bipi hatte die Aufgabe, den Häuptling gefangen zu nehmen und damit wieder Ordnung herzustellen. Doch der Weg ins Landesinnere war schwierig und er hatte nur ca. 40 ausgebildete Scouts bei sich. Doch bald erkannte er, dass einige Eingeborene viele Knoten kannten und sich auffallend geschickt im Wald benahmen. So war es möglich, dass er eine spezielle Truppe zusammenstellte und sich dann an das Häuptlingsdorf heranschlich und den König gefangen nehmen konnte.
Ein anderes Erlebnis war wichtig: in Südafrika hatte er das Städtchen Mafeking gegen einen 10-fache Übermacht zu verteidigen. Dies gelang ihm nur, dass er äußerst trickreich und geschickt seine Feinde immer wieder täuschte. Er setzte Jungen von ca. 10 Jahren als Botschafter ein und erkannte bald, dass diese sehr wichtig waren. Wenn er ihnen Verantwortung gab, so führten diese die Aufträge gewissenhaft aus.
Nach seiner Rückkehr aus Afrika schrieb er ein Buch über das Kundschafterwesen und erstaunlicherweise kauften sehr viele Jungen das Buch und machten selbst „Scouting". Nun war alles beisammen, um seinem Traum von einer Welt ohne Krieg näher zu kommen.
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- Kinder aus unterschiedlichen Schichten und Abstammung (Theaterspielen in Indien)
- das System der Kleingruppen (Ausbildung im Militär)
- jungen Leuten schon früh Verantwortung geben (Botschafterdienste der Jugendlichen in Mafeking)
- in der Natur sein (Erfolg seines Buches)
Bipi war wie elektrisiert von der Idee und verbrachte viele Abende beim Studieren und Besprechen mit vielen Pädagogen. Ein letzter Test war nun noch notwendig: Bipi lud 22 Jungen aus allen gesellschaftlichen Schichten auf die Insel Brownsea-lsland ein. Dort führten sie während 3 Wochen das erste Pfadfinderlager der Welt durch und es war ein voller Erfolg. Von da an ließ sich der Erfolg der Pfadfinderbewegung nicht mehr aufhalten und schon bald gab es überall Pfadfindergründungen. Schon ein Jahr später besuchte er Chile und war überrascht, als er von einer Schar Pfadfinder begrüßt wurde. Die Jungen (und bald auch Mädchen) hatten sich das Buch „Scouting for Boys" schicken lassen und hatten darauf die Pfadfinder Chiles gegründet.
Er hatte bald klar vor Augen, was er wollte:
Die Pfadfinderbewegung sollte eine freiwillige, nicht politische Erziehungsbewegung für junge Menschen sein, die offen für alle ist. Zweck der Bewegung soll es sein, dass die jungen Menschen all ihre Fähigkeiten zugunsten einer großen Gemeinschaft einsetzten können. Damit ließe sich der Krieg in Zukunft vermeiden. Wir sehen, dass sich die eigentlichen Ziele nicht groß geändert haben, wohl aber die Methoden und Mittel. Bipi hat an viele kleine Dinge gedacht, die dem Leben in der Gruppe förderlich sind. So erkannte er, dass in einer Gruppe die Unterschiede zwischen einzelnen Schichten verwischt werden müssen und entwarf dann das auch heute noch so praktische Pfadfinderhemd. Auch „unsere" Pfadfinderlilie ist ein Teil unserer Pfadfindergemeinschaft. Ursprünglich war die Kompassnadeln so ähnlich geformt und so nahm Bipi die Lilie als Symbol für den rechten Weg und das Ziel. Ein weiterer Grundbaustein in der Pfadfinderbewegung war das Pfadfindergesetz.
Bipi formulierte es damals, man schrieb das Jahr 1906, in einer für uns unmöglich verknöcherten Form. Doch aufmerksame Leser mögen die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Versionen leicht bemerken.
Pfadfindergesetz 1907:
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- Auf die Ehre des Pfadfinders kann man bauen.
- Der Pfadfinder ist treu.
- Der Pfadfinder ist hilfsbereit.
- Der Pfadfinder ist Freund aller Menschen und Bruder aller Pfadfinder.
- Der Pfadfinder ist höflich und ritterlich.
- Der Pfadfinder schützt Pflanzen und Tiere.
- Der Pfadfinder ist gehorsam.
- Der Pfadfinder überwindet Schwierigkeiten mit Leichtigkeit
- Der Pfadfinder ist fleißig und sparsam.
- Der Pfadfinder ist rein in Gedanken, Worten und Werken.
Heute gilt in der Schweiz die Version des PBS (Pfadfinder Bund Schweiz) von 1988:
Wir Pfadfinder wollen:
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- -offen und ehrlich sein
- -andere verstehen und achten
- -unsere Hilfe anbieten
- -Freude suchen und weitergeben
- -miteinander teilen
- -Sorge tragen zur Natur und allem Leben
- -Schwierigkeiten mit Zuversicht begegnen
- -uns entscheiden und Verantwortung tragen
Mit diesen Grundsätzen hat der mittlerweile schon ältere Mann (er war zur Zeit der Gründung schon über fünfzig) eine Organisation ins Leben gerufen, die einmalig auf der Welt ist. Die größte Jugendorganisation der Welt sollte so rasch wachsen, dass selbst Bipi nicht mehr ganz mitkam. Doch gehen wir der Reihe nach vor.
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1908 schreibt Bipi „Scouting for Boys" und hatte damit riesigen Erfolg. Gleich nach dem Erscheinen des Buches bildeten sich überall spontane Pfadfindergruppen, die mit Rucksäcken und kleinen Handwagen ins Lager zogen. Girlscouts traten zum ersten mal 1909 auf, als sich einfach Mädchen unter die Knaben mischten. Bipi war erstaunt, doch gefiel ihm die Idee sehr gut. Die Leitung über den Frauenpfadfinderbund übernahm später seine Frau Olave.
1920 erfüllte sich dann endlich ein lang ersehnter Wunsch von Bipi. 8000 Pfadfinder aus 27 Ländern trafen sich im Olympiastadion zum ersten Jamboree. Der so schreckliche erste Weltkrieg war erst seit zwei Jahren vorbei, und nun trafen sich Nationen, die sich vorher noch beschossen hatten.
1936 ließ er sich des milden Klimas wegen in Kenia (Afrika) nieder. Er hatte nicht mehr die Kraft überall herumzureisen und so genoss er die schöne Natur Afrikas. Am 8. Januar 1941 starb Bipi im Alter von 84 Jahren. Auf seinem Grabstein wurde ein Kreis mit einem Punkt eingemeißelt. Bedeutung:
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„Ich habe meinen Auftrag erfüllt und bin nach Hause gegangen“ 