Ausrüstung
Kleine Materialkunde
für Pfadi-Eltern und ,,Sponsoren"
Wenn Sie die Möglichkeit haben, sich den einen oder anderen Ausrüstungsgegenstand von Freunden oder Bekannten auszuleihen, kommen die Unkosten nicht auf einmal auf Sie zu, und für den nächsten Geburtstag wissen Sie dann schon ein sinnvolles Geschenk.
Markieren von Bekleidung und Ausrüstung (z.B. Name oder Monogramm mit wasserfestem Stift auf das Etikett geschrieben), hilft Verwechslungen vermeiden.
Das brauchen Sie unbedingt: „!“
Schlafsack: Hände weg von dem 29,99 DM Schlafsack aus dem Supermarkt! (Wenn Sie darin einmal eine weniger milde Sommernacht durchfroren haben, wissen Sie warum) Vom einigermaßen erholsamen Schlaf hängen Kondition und Körperabwehr, und damit die Gesundheit Ihres Kindes ab. Die wesentlichen Kriterien bei Schlafsäcken sind:
- Packmaß und Gewicht
- Form und Ausstattung
- Material und Verarbeitung
Einen vernünftigen Schlafsack bekommt man ab etwa 200 DM. So sollte er aussehen: Die Außenhaut Wasserabweisend (Tautropfen etc.), das Innenfutter aus saugfähigem Material (Schweiß) wie z.B. Baumwolle.
Beim Füllmaterial gehen die Meinungen auseinander. Daune ist leicht und wärmt optimal, wenn ein Daunenschlafsack einmal feucht wird (z.B. beim Lüften vergessen) wird es aber problematisch. Kunstfaser ist billig und pflegeleicht, hat aber ein Packmaß, bei dem kein Auge trocken bleibt. Der meiner Meinung nach vernünftigste Kompromiß ist eine Hohlfaserfüllung, die übrigens auch noch leidlich wärmt, wenn sie naß geworden ist.
Ebenfalls sehr wichtig ist der Aufbau der Füllung. Sie sollte in mehreren Ebenen abgesteppt oder schindelartig sein. Einen schlechten, auf einmal abgesteppten Schlafsack erkennt man, indem man ihn geöffnet gegen das Licht hält. Wenn an den Nähten das Licht hindurchschimmert ist jede Naht eine Kältebrücke!
Weiterhin hat ein guter Schlafsack innen eine Reißverschlußabdeckung und eine Zugschnur, mit der man den Schlafsack an den Schultern zuziehen kann. Damit verhindert man das Entweichen der Wärme. Bei Kindern (die bekanntlich relativ schnell wachsen) ist oft die Schlafsackgröße ein Problem. Ist der Schlafsack zu eng, drückt man die isolierende Füllung zusammen. Ist er aber zu groß, kann man Ihn nur schwer mit dem Körper ,,aufheizen". Kleiner Tip: Schlafsack eine Nummer größer wählen, und an der richtigen Stelle abbinden oder mit ein paar Stichen im Futter abnähen.
Bitte bedenken Sie, auch der teuerste Schlafsack läßt nach 5 bis 10 Jahren nach. Er kann dann aber immer noch als Hüttenschlafsack dienen (erhöht die Lebensdauer des Nachfolgers).
Schlafsäcke werden zum Transport in den Packsack gestopft (nicht gerollt oder gefaltet) Ansonsten sollte man sollte man sie möglichst offen lagern, das verhindert vorzeitige Materialermüdung.
Iso-Matte: Ebenso wichtig ist eine geeignete Schlafunterlage. An den Stellen wo man aufliegt, drückt man die isolierende Luft aus dem Schlafsack, Bodenkälte und Feuchtigkeit können aufsteigen. Luftmatratzen sind anstrengend aufzublasen (und der Leiter hat nicht nur ein Kind...) und wegen ihrer hohen Schadensanfälligkeit weniger geeignet.
Für das Luxusmodell ,,selbstaufblasende Isoliermatte“ (z.B. Therm-a-Rest oder Wolfmat) gibt man fast ebensoviel wie für den Schlafsack aus. Hier kann man aber ohne schlechtes Gewissen sparen! Eine gewöhnliche Schaumstoff-Isoliermatte (Campingmatte, Aerobicmatte), erfüllt diesen Zweck ganz genauso. Sie sollte allerdings aus geschlossenporigem Schaumstoff (Bodenfeuchtigkeit!) und wenigstens 12mm dick (doch, man spürt ob man auf 8mm oder auf 12mm liegt!) sein. Solche Matten bekommt man ab ca. 15 DM.
Kopfbedeckung als Schutz, vor Sonnenstich (durch UV-Strahlung ausgelöste Gehirnhautentzündung) und vor Zecken. (Apropros: Wie sieht's mit FSME und Tetanusschutzimpfung aus?) Am besten wäre ein breitkrempiger Hut, aber eine Baseball-Mütze erfüllt den Zweck ebenso wie die ,,Putzerhaube" die man oft als Werbegeschenk im Baustoffhandel bekommt.
Eßgeschirr: Hierzu gehören ein flacher und ein tiefer Teller, eine Tasse oder ein Becher sowie ein Besteckset. Die ersten Gegenstände sollten aus bruchsicherem Material bestehen. Metallgeschirr hat den Vorteil, daß man darin etwas über dem Feuer wärmen kann. Plastikgeschirr sieht zwar nicht so cool aus, läuft aber nicht an, und das Essen kühlt nicht so schnell aus. Der berühmt berüchtigte Bundeswehr ,,Henkelmann" ist zwar stabil und platzsparend zu verpacken, aber unpraktisch zum Essen, und die Hölle zum Reinigen!
Für Luxusbesessene gibt es übrigens Isoliertassen. Ebenfalls praktisch (aber nicht unbedingt nötig) ist ein zusammensteckbares Besteck (ab 10 DM). Nachteil: Verlorene Teile kann man nicht einzeln nachkaufen.
Festes Schuhwerk: D.h. Knöchelhohe Schuhe mit rutschfester Sohle. Es müssen nicht unbedingt Wanderstiefel sein, aber wer mit Slippern oder Plateau-Schuhen über eine Wiese geht, bricht sich dabei voraussichtlich die Ohren...!
Warme Jacke: Auch nach warmen Tagen können die Nächte empfindlich kalt sein. Lagerfeuerromantik ist, wenn man von vorne gegrillt und von hinten erfroren ist. Eine hüftlange Jacke (z.B. Parka) oder eine wind- und regendichte Jacke kombiniert mit einem dicken Pullover schaffen hier Abhilfe.
praktisch, aber nicht unbedingt nötig ist Folgendes: „?“
Feldflasche: Preisgünstige Alternative: eine Getränke-Mehrwegflasche aus Plastik. Plastik-Feldflaschen sind zwar leicht, können aber an der Naht platzen. Besser sind Metallflaschen (ab 15 DM), die meist in einer Stofflasche aufbewahrt werden. Vorteil: Wenn der Stoff angefeuchtet ist, kann man die Verdunstungskälte zum kühlen nützen. Die Flasche bzw. deren Beutel sollte eine Möglichkeit zum Befestigen an Gürtel oder Rucksack haben (besser: zwei Befestigungen, dann kann nichts baumeln).
Gute Feldflaschen sind auch mit kohlensäurehaltigen Getränken noch dicht (z.B. Sigg-Bottles). Vernünftig sind Flaschen mit 0,5 bis 1 Liter Inhalt.
Fahrtenmesser: Als Werkzeug überaus sinnvoll, als Waffe oder Spielzeug ein rotes Tuch für Eltern und Leiter. Wenn Sie nach dem Lager das eingezogene Messer beim Gruppenleiter abholen müssen, wissen sie das Ihr Nachwuchs irgend etwas falsch gemacht hat. Der richtige Umgang mit einem Fahrtenmesser ist Charaktersache und will gelernt sein.
Bitte geben sie Ihrem Kind keine Taschenmesser ohne Klappsicherung und Griffschutz mit auf eine Pfadfinderaktion! Die kleinen Messer sind die gefährlichsten. Wenn schon ein Messer (bitte halten Sie mit den Gruppenleitern Rücksprache) dann bitte ein richtiges!
Ein gutes Fahrtenmesser (ab 40 DM) hat eine feststehende, einseitig(!) geschliffene, durchgehende (d.h. im Griff verschraubte) Klinge.
Weiterhin besitzt es einen Griffschutz, also einen Bügel, der ein Abrutschen vom Griff auf die Klinge verhindert, und Steckt in einer robusten Messerscheide (eine Art Köcher, der sich am Gürtel befestigen läßt), in der es sich auch fixieren läßt.
Ein Messer muß als Werkzeug gut in der Hand liegen. Zahnstocher" sind ebenso wenig Sinnvoll wie ,,Macheten"!
(Eine Gute Adresse für den Messerkauf, wo man sich auch beraten lassen kann ist die Fa. Birzer in Regensburg, im Taubengäßchen, nähe Dom)
Rucksack: Ein großer Rucksack (ca. 60 Liter) ist das ideale Gepäckstück, nichts läßt sich leichter tragen, wenn der Zeltplatz nicht direkt am Bahnhof oder an der Straße liegt (was praktisch nie der Fall ist). Die Tramper-Rucksäcke mit Außengestell lassen sich platzsparend in jedes Zelt stellen, und dienen so als mobiler Kleiderschrank. Ihr Vorteil: auch wenn Sie halb leer sind, fallen sie nicht in sich zusammen. Nachteil: Für längere Wanderungen sind sie zu unbequem. Darum bekommt man diese preisgünstigen Packwunder (ab 50 DM) nur noch selten angeboten.
Moderne Rucksäcke ohne Gestell (ab 80 DM), sind bequemer zu tragen, weil das Hauptgewicht auf dem Beckengürtel ruht. Hierfür muß der Rucksack die passende Rückenlänge haben (vor dem Kauf anprobieren!). Die teuren Modelle (ab 250 DM) haben ein verstellbares Rückenteil d.h. der Rucksack wächst mit.
Übrigens: Kinder die ihr Gepäck selbst packen, wissen was sie alles dabei haben, und wo sie es finden!
Zelt: Diese Ausgabe können sie sich getrost sparen. Unser Stamm hat genug Zelte für alle Mitglieder. Wenn Sie sich jedoch ein Zelt für diverse Familienradtouren oder für das Vorgartenabenteuer Ihrer Kinder anschaffen wollen, sind hier noch einige Tips:
Die praktischsten Allroundzelte sind 2-3 Mann- (natürlich auch frauentauglich) Leichtpackzelte. Wenn Sie keine Expeditionen damit unternehmen wollen, bekommen sie hier schon für 150 DM (nach oben hin gibt es kaum Grenzen) etwas brauchbares. Natürlich kann man auch etwas günstigeres ergattern, aber Diese Zelte erfüllen häufig folgende Kriterien nicht:
Durchlüftung, (ohne ausreichende Lüftungsöffnungen gibt es schnell ,,dicke Luft" im Zelt).
Insektenschutz, die Fliegengitter sollten sich auch bei geöffnetem Zelt, unabhängig von der Zelthaut, schließen lassen. Die Regensicherheit sollte auch gegeben sein, wenn man einmal vergessen hat den Eingang zuzuziehen. Vor allem bei billigen Igluzelten geht man hier schnell baden. Sturmsicherheit ist dann gegeben, wenn man zusätzlich noch einige Sturmleinen vom First aus spannen kann. Vernünftige Heringe hierfür bekommt man im Zubehörhandel. Die serienmäßig gelieferten ,,Erdnägel" verdienen bei Sturm nur Gelächter!
Das beste Zelt ist wertlos, wenn man es nicht aufstellen kann. Dies sollte man in Ruhe üben. Wer unter einer heranziehenden Regenfront erst einmal die Anleitung studiert, stellt meist erst dann fest, daß der Hammer selten zum Lieferumfang gehört...
